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Kompanys Beruhigungs-Pille im Fall Musiala vorm Supercup

Zweimal bricht Bayern-Star Musiala auf dem Stadion-Rasen zusammen. Woran lag das? Und wie geht es weiter? Trainer und Sportvorstand klären vor dem Dortmund-Duell auf - und blicken sehr ruhig voraus.

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Fußball, Testspiele: 1. FC Heidenheim - FC Bayern München Harry Langer/DeFodi/dpa/dpa

München (dpa) - Helle Aufregung? Womöglich Panik? Von wegen. Mit einem gefühlten Ruhepuls von höchstens 60 Schlägen hat Bayern-Trainer Vincent Kompany ganz sachlich und betont ruhig die landesweiten Schockwellen um Jamal Musiala vor dem Franz-Beckenbauer-Supercup einzudämmen versucht. 

Um den ersten Titel der neuen Fußball-Saison wird der Double-Sieger der vergangenen Spielzeit an diesem Samstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) gegen den großen nationalen Rivalen Borussia Dortmund zwar ohne den innerhalb von drei Tagen bei zwei Testspielen zusammengebrochenen Nationalspieler kämpfen. Der 23-jährige Musiala wird - wie seine Nationalelf-Kollegen Serge Gnabry und Lennart Karl - im Signal Iduna Park nicht zum Münchner Kader gehören. 

Aber die zentrale Pressekonferenz-Botschaft von Meistercoach Kompany und auch Sportvorstand Max Eberl auf dem Münchner Vereinsgelände lautete am Freitagmorgen: Das Stadion-Comeback von Musiala wird womöglich nicht Wochen auf sich warten lassen, sondern könnte vielmehr zeitnah erfolgen. 

Was Zuschauer, Gegner und Beobachter bei den letzten Testspielen gegen RB Leipzig in der Münchner Arena und kurz danach in Heidenheim schockierte, war für die Münchner Insider eher eine Überraschung wegen der kurzen Abfolge. Jedenfalls schilderten es die sportlich Verantwortlichen beim Rekordmeister exakt so. «Wir gehen schon länger damit um. Der erste Schockmoment ist für uns schon einige Zeit her», berichtete Kompany. 

Musialas Problem mit den neurologischen Aussetzern, sogenannten «Absencen», begleiten Trainer, Bosse und Teamkollegen beim FC Bayern schon «die ganze letzte Saison», wie Eberl sagte. Neu - und befremdlich - waren sie für die breite Öffentlichkeit. Und darum klärte Musiala mit einem Social-Media-Post diese unter der Woche auf. 

 

«Wir gehen nicht in einer Unruhe damit um - im Gegenteil», sagte Kompany. Der 40-Jährige erklärte sogar: «Wir sind an dem Punkt vorbei, wo intern noch viel darüber gesprochen wird. Wir waren seit langem vorbereitet auf diesen Moment.» Und: «Wir sind sehr optimistisch, was Jamal angeht.»

Veränderte Behandlung und Medikation als Begründung 

Vorm Supercup gab es weitere medizinische Details. Die «Krampfanfälle» (Eberl) von Musiala auf dem Rasen werden demnach mit einer veränderten Medikation im Rahmen von dessen Erkrankung begründet. Es sei «völlig normal, dass man in einer Behandlung etwas probiert», bemerkte Kompany. Und auch wenn es salopp klinge, sagte Eberl: «Für uns ist das ein Alltag geworden.»

Kompany führte als Beleg an, dass bei Musialas zweitem Blackout in Heidenheim die Bayern-Bank «total ruhig» reagiert habe: «Michael Olise, der beste Kumpel von Jamal, war mit taktischen Anweisungen an der Bank beschäftigt.» Eberl ist nach allen Informationen der behandelnden Ärzte überzeugt, dass mit der richtigen medikamentösen Einstellung das Risiko weiterer Zwischenfälle bei Spielen «minimiert» werden könne. 

Kompany: «Da haben wir einen Musiala gesehen...»

Kompany bedauert, dass Musiala ein Jahr nach seiner schweren Beinverletzung und der operativen Entfernung einer Platte am linken Sprunggelenk in diesem Sommer ein weiteres Mal jäh in seinem Aufwärtstrend gestoppt wurde. «Es gab auch Minuten, in denen er in den Spielen Fußball gespielt hat. Und da haben wir einen Jamal gesehen, wie er schon lange nicht mehr auf den Plätzen war.»

Die deutschlandweit bestürzt und aufgeregt diskutierte Musiala-Causa dürfte Kompany und sein Starensemble im ersten Pflichtspiel der Saison also kaum bremsen oder sogar hemmen. Drei Monate nach dem Gewinn von Meistertitel Nummer 35 und DFB-Pokalsieg Nummer 21 wollen Kapitän Manuel Neuer, Harry Kane und Co. unter den Augen des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp wie vor einem Jahr beim 2:1 gegen den VfB Stuttgart gleich erneut die Supercup-Trophäe in die Höhe recken. 

«Ich mache keinen Unterschied in der Wertigkeit der Titel», sagte Kompany. Auch wenn er in seinem dritten Bayern-Jahr den Gewinn der Champions League als höchstes Ziel anstrebt. «Ich glaube, es gibt nichts Schöneres, als auswärts in Dortmund einen Titel zu holen», sagte der Belgier, der mit diesen Worten die Gastgeber und die BVB-Fans sicherlich reizt. 

Kompany plant, selbst die nach dem WM-Urlaub erst seit einer Woche wieder trainierenden Kane, Olise und Dayot Upamecano so lange spielen zu lassen, bis sie «müde» sind. 

Was BVB-Chef Ricken im eigenen Stadion nicht sehen möchte

Eberl sprach von der «ersten richtige Challenge» nach einer komplizierten Vorbereitung des Double-Ensembles. «Von Dortmund wird alles getan werden, dass wir den Pokal nicht holen. Wir werden alles tun, um den Pokal zu holen», sagte der Sportvorstand. Tatsächlich hatte BVB-Geschäftsführer Lars Ricken tags zuvor in Dortmund diese Absicht bestätigt: «Ehrlicherweise möchte ich nicht die Bayern bei uns im Stadion sehen, wie sie einen Titel feiern.» 

Für die personell insbesondere im Mittelfeld umgebaute Borussia soll vielmehr ein Supercup-Gewinn gegen die Bayern «eine Initialzündung für die Saison sein», wie Ricken verkündete.

© dpa-infocom, dpa:260821-930-561667/2