Olympia-Showdown: Wer macht das Rennen in Deutschland?
Die Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber fällt. Drei Kandidaten gibt es. Doch alles deutet auf einen Zweikampf hin.
Baden-Baden (dpa) - Berlin, München oder die Region Rhein-Ruhr mit Köln als Kernstadt? Am Samstag im Kurhaus Baden-Baden auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) entscheidet sich, mit wem Deutschland ins Rennen um eine Olympia-Bewerbung für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 geht.
Hamburg hat sich aus dem ursprünglichen Vierkampf bereits verabschiedet, nachdem sich die Bürgerinnen und Bürger Ende Mai mit einer Mehrheit von fast 55 Prozent gegen eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen hatten.
Wer entscheidet über den deutschen Olympia-Bewerber?
Die 42 olympischen Spitzenverbände dürfen am Samstag mit jeweils drei Stimmen für ihren Favoriten votieren (126). Stimmberechtigt sind damit auch die Verbände aus dem Wintersport. Ihre jeweils drei Stimmen dürfen die Fachverbände nicht aufteilen, sie müssen im Block an einen Bewerber vergeben werden.
Zudem haben acht persönliche Mitglieder - darunter Profi-Fußballer Leon Goretzka und Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste - sowie die Präsidiumsmitglieder des DOSB jeweils eine Stimme.
Die Gesamtstimmenanzahl beträgt damit 144. Ein Bewerber benötigt die absolute Mehrheit. Mehrere Wahlgänge sind somit möglich. Nicht stimmberechtigt sind die Landessportbünde sowie die nicht-olympischen Spitzenverbände wie der Deutsche Schachbund oder der Deutsche Karate Verband. Auch der Deutsche Behindertensportverband ist vom Votum ausgeschlossen, obwohl es parallel auch um die Paralympics-Bewerbung geht. Die stimmberechtigten Delegierten können einer Empfehlung der Evaluierungskommission folgen, müssen dies aber nicht tun.
Welche Faktoren geben den Ausschlag?
Die Bewerber hatten Zeit, bis Anfang Juni ihre finalen Konzepte einzureichen. Diesen wurden dann anhand einer gemeinsam mit dem Bund entwickelten Bewertungsmatrix bewertet. Die Evaluierung führte der DOSB mit den olympischen Spitzenverbänden durch.
Die Bewertung umfasste verschiedene Kategorien und Kriterien - zum Beispiel, wie groß die Chancen auf einen Zuschlag im internationalen Wettbewerb oder auch, wie groß die Unterstützung der Bevölkerung oder der jeweiligen Region ist. Auch die sogenannte sportfachliche und operative Eignung wie Reisezeiten, Hotelkapazitäten sowie die Unterbringung von Athletinnen und Athleten wurden bewertet.
Wann und durch wen wird die Entscheidung verkündet?
Die Entscheidung verkündet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag ab 13.45 Uhr (ARD und ARD-Livestream) an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert. Steinmeier ist nicht der einzige Promi, der an der außerordentlichen Mitgliederversammlung teilnimmt. Aus dem Sport werden unter anderem Tennis-Legende Boris Becker, Schwimm-Ikone Michael Groß, Pferdesport-Star Isabell Werth sowie Gewichtheben-Olympiasieger Matthias Steiner vertreten sein.
Wer gilt als Favorit?
Favorit ist München vor allem aufgrund der Zustimmung durch die Bevölkerung, aber auch wegen der Erfahrung mit sportlichen Großereignissen und der Unterstützung durch die CSU-geführte Regierung. Beim Bürgerreferendum im vergangenen Oktober stimmten rund zwei Drittel der Teilnehmer des Entscheids für eine Olympia-Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt. Ähnlich hoch war auch die Zustimmung in der Region Rhein-Ruhr. 66 Prozent sprachen sich für eine Bewerbung aus.
In Berlin votierte das Abgeordnetenhaus mehrheitlich für eine Bewerbung - allerdings noch unter der schwarz-roten Koalition, die am Sonntag bei der Wahl des Abgeordnetenhauses von den Berlinerinnen und Berlinern abgewählt wurde.
Da die Linke in Berlin als stärkste Partei und auch die Grünen eine Olympia-Bewerbung ablehnen, birgt Berlin als deutscher Kandidat ein großes Risiko. Eine mögliche deutsche Bewerbung könnte noch vor der Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) platzen. Auch wenn die Hauptstadt von den drei deutschen Kandidaten die größte internationale Strahlkraft haben dürfte.
Wie geht es nach der Entscheidung am Samstag weiter?
Für Deutschland geht es darum, sich nach dem Votum am Wochenende international in Stellung zu bringen und dem IOC Detailpläne und finanzielle Garantien vorzulegen. Die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Die nächste Phase strategischer Verhandlungen würde dann bis Ende 2028 laufen, ehe in den letzten Monaten bis zur entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen verbleiben.
Wie stehen die Chancen im internationalen Vergleich?
Indien und Katar gelten als mögliche Kandidaten für 2036. Sollte das IOC einen Kandidaten aus Asien bevorzugen, müsste sich Deutschland mindestens noch weitere vier Jahre gedulden. Noch einmal aufgeschnürt werden soll das Thema dann aber nicht. Der jetzt gewählte Kandidat soll auch für 2040 oder 2044 ins Rennen gehen. Der DOSB will dann mit einer überzeugenden Bewerbung bereitstehen, wenn Europa gefragt ist. Neben dem deutschen Kandidaten haben in Europa Budapest und Istanbul Olympia-Pläne, auch Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana prüfen einen Anlauf.